Handel trifft Produktion in Boizenburg

6.9.2016
Der internationale Fliesenhändler t.trading und der traditionsreiche Fliesenhersteller Boizenburg arbeiten zukünftig als Schwestergesellschaften zusammen und gründen die Keramische Partnerschaft Boizenburg. Damit entsteht eine in der deutschen Keramik-Szene völlig neue Konstellation.

Mit t.trading aus Winsen (Luhe) in Niedersachsen und die Boizenburg Fliesen GmbH aus der westlichsten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns kommen ein international tätiger Großhändler und ein Fliesenhersteller mit über 100-jähriger Tradition zusammen. Unter dem Label: „Keramische Partnerschaft Boizenburg“ werden beide Unternehmen unter der Führung von Alexander Stenzel vom Standort Boizenburg aus agieren. Initiiert hat die Transaktion zum Neustart des Fliesenwerks die Beteiligungsgesellschaft von der Heydt Industriekapital (VDH IK). Erster gemeinsamer Auftritt wird die Fachmesse Cersaie in Bologna (26. bis 30 September) sein.

Mit der Übernahme der Boizenburg Fliesen GmbH stellt Alexander Stenzel seinem international agierenden Handelsunternehmen die Traditionsmarke „Boizenburg Fliesen“ und das Label „Made in Germany“ zur Seite und sorgt damit für ein neues Kapitel in der wechselvollen und nach der Wende zumeist glücklosen Geschichte des ehemaligen DDR-Vorzeigebetriebes, die 2008 gar in die Insolvenz führte und 2012 im Rahmen einer übertragenden Sanierung abgeschlossen wurde. Das 1903 gegründete Traditionsunternehmen wurde danach mit der gesamten etwa 250 Mitarbeiter zählenden Belegschaft als Boizenburg Fliesen GmbH weitergeführt.

Jetzt also soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. „Ich kenne die Stärken, aber eben auch die Schwächen der ausländischen Produzenten. Gerade deswegen glaube ich an den deutschen Produktionsstandort, wenn er eng mit dem Handel zusammenarbeitet“, begründet Alexander Stenzel seine Entscheidung. Die Teams beider Unternehmen wollen, so Stenzel, als Multiplikatoren auf dem Markt agieren und „für die Zukunft der deutschen Fliesenproduktion viel bewegen“. Der Großhändler profitiert zukünftig von der reichlich vorhandenen Lagerfläche und kann die Logistikplattform vor Ort nutzen. Für die Traditionsfirma aus Boizenburg ist es die Chance, wieder als verlässliche Produktionsgröße am Markt wahrgenommen zu werden.

Daran glaubt auch Investor Christoph Koos, Geschäftsführer VDH IK, der einen Minderheitsanteil an der Boizenburg Fliesen GmbH hält. Stenzels Netzwerk in der internationalen Fliesenbranche würde die Erfolgsgeschichte auch am Standort Boizenburg fortschreiben und somit den Standort erheblich aufwerten können. Ein weiterer strategischer Punkt sei die Möglichkeit, eigene Trends zu setzen und auf Marktwünsche durch die Produktion vor Ort unmittelbar reagieren zu können. Auch für die zuletzt mageren Marktanteile der in Deutschland produzierten Fliesen sieht er damit eine Chance: „Nun werden wir Designwünsche aus dem Handel in einer deutschen Produktion direkt umsetzen können“, betont Alexander Stenzel.

Die neue Dynamik will man auch im veränderten Unternehmensauftritt des Fliesenwerks und in der Positionierung einer neuen Produktmarke zeigen. So wird die Boizenburg Fliesen GmbH in Zukunft einen roten Phönix (das ist der aus der Asche …) im Logo führen und die Produkte unter „z-keram“ vermarkten. Allerdings: ein wenig Tradition soll bleiben. So habe man (laut Stenzel: sicherheitshalber) den Hermes, der auch Schutzgott der Kaufleute ist und lange Jahre das Boizenburg-Logo zierte, behalten, wenn auch etwas versteckt.

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