28 29 STEINKERAMIKSANITAER.DE I. Quartal 2025 STEINKERAMIKSANITAER.DE I. Quartal 2025 DesignundTrends DesignundTrends Herr Baral, Ihr neues Buch ist im März erschienen und wird sicherlich für Aufsehen sorgen. Darin argumentieren Sie, dass Duschtoiletten nicht nur Komfort, sondern auch Gesundheit und Lebensqualität revolutionieren können. Was hat Sie dazu inspiriert, ein Buch über Toilettenkultur zu schreiben? Tim Baral: Die Idee für das Buch kam mir im Oktober 2023 während eines Seminars, bei dem ich vor einer Gruppe von Unternehmerinnen und Unternehmern über das Thema sprach. Während ich erzählte, wurde es plötzlich still im Raum, alle hörten gebannt zu. Als ich fertig war, sagte ein Teilnehmer: „Tim, das, was du gerade erzählt hast, ist faszinierend, aber niemand weiß davon.“ Dieser Moment hat etwas in mir ausgelöst. Nach 28 Jahren intensiver Erfahrung, seit 1996 mit der Installation von Dusch-WCs und ab 2009 mit den japanischen Washlets, habe ich mich schließlich entschieden, mein Wissen und meine Begeisterung in ein Buch zu bringen, um dieses Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Hintergrund ist unter anderem die besondere Verbindung zu den Produkten des japanischen Sanitärherstellers Toto. Wie sind Sie gerade auf das japanische Sanitärunternehmen gekommen? Das Unternehmen hat mich von Anfang an begeistert, weil es nicht einfach nur Toiletten entwickelt, sondern weil eine Philosophie dahintersteht. Die Produkte vereinen Hightech, Design, Liebe zum Detail, und sie zeugen von Respekt für Hygiene und Gesundheit. Was mich besonders beeindruckt hat, sind die Details: von selbstreinigenden Düsen bis zur Spülung, die optimal reinigt und dabei auch noch Wasser spart. Ich hatte das Glück, mehrmals nach Japan zu reisen, um die Kultur hinter diesen Produkten hautnah zu erleben. Diese Reisen haben mich inspiriert, und ich möchte mit meinem Buch dieses Wissen und diese Faszination teilen. Wie beeinflusst die japanische Hygienekultur Ihre Arbeit und Ihre Perspektive ganz konkret? In Japan ist Hygiene ein Ausdruck von Respekt und Lebensqualität. Das habe ich auf meinen Reisen deutlich gespürt. Besonders beeindruckt hat mich die tiefe Verankerung der Würde des Menschen in der japanischen Kultur, ein Wert, der dort nicht nur gelebt, sondern auch im Alltag sichtbar wird, selbst in den kleinsten Details wie der Gestaltung von Toiletten. Diese Haltung hat meinen Blick darauf geschärft, wie wichtig Hygiene für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Selbstachtung ist. Dusch-WCs verkörpern die Philosophie von Respekt und Lebensqualität perfekt, und ich sehe es als meine Aufgabe, dieses Bewusstsein auch in Deutschland zu fördern. Sie sind davon überzeugt, dass Duschtoiletten nicht nur Komfort, sondern auch gesundheitliche Vorteile bieten. Können Sie das näher erläutern? Absolut. Eine Duschtoilette bietet eine sanfte Reinigung mit Wasser, die weitaus hygienischer ist als Toilettenpapier. Diese Art der Reinigung kann Hautirritationen vorbeugen und ist gerade für Menschen mit empfindlicher Haut oder bestimmten Erkrankungen wie Hämorrhoiden eine echte Erleichterung. Einige meiner Kundinnen und Kunden haben mir berichtet, dass die sanfte Massage durch den Wasserstrahl den Stuhlgang anregen und zu einer leichteren Entleerung führen kann. Es gibt auch emotionale Vorteile: Viele Menschen berichten, dass sie sich durch die Benutzung einer Duschtoilette sauberer und wohler fühlen und bis ins hohe Alter, besonders bei eingeschränkter Beweglichkeit, ihre Eigenständigkeit bewahren können. Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihre Begeisterung für dieses Thema? Am Anfang gab es natürlich skeptische Reaktionen. „Ein Buch über Hygiene und Sauberkeit machen glücklich Hygiene und Sauberkeit machen glücklich DER SANITÄREXPERTE TIM BARAL HAT EIN BUCH GESCHRIEBEN, DAS FÜR EINE NEUE HYGIENEKULTUR PLÄDIERT UND NACH JAPAN BLICKT. Mit seiner neuen Publikation „Sauber macht glücklich“ sieht sich Tim Baral als Botschafter einer stillen Revolution in Sachen Sauberkeit. Er ist Experte für japanische Duschtoiletten und kennt sich daher mit Intimhygiene aus. In seinem Buch gibt er Einblicke in die Welt zeitgemäßer Hygiene und spricht über die Vorteile von Dusch-WCs. Im Kern geht es darum, wie ihn diese Toiletten beeindruckt haben und wie die damit verbundene Hygiene das Badezimmer revolutioniert hat. Im Interview erläutert er, warum diese Technologie Komfort und Gesundheit neu definiert. Toiletten?“, haben viele gefragt. Aber wenn ich erkläre, welche tiefgreifenden Auswirkungen die Hygiene auf unser Leben haben kann, ändert sich oft die Perspektive. Ich sehe mich als Botschafter für eine stille Revolution, eine, die unser Leben unaufdringlich, aber nachhaltig verbessert. Haben Sie den Eindruck, dass Duschtoiletten in Deutschland eine größere Akzeptanz finden werden? Ich bin da sehr zuversichtlich. In Japan sind Duschtoiletten bereits der Standard. Hier in Deutschland ist das Bewusstsein für solche Technologien noch nicht so ausgeprägt, aber das Interesse wächst. Ich denke, mit der richtigen Aufklärung und der Demonstration der Vorteile wird sich das in absehbarer Zeit ändern. Ich kann auch jedem empfehlen, es einfach mal auszuprobieren. Die Überraschung über den Zugewinn an Hygiene und Wohlempfinden wird groß sein. Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern Ihres Buches mit auf den Weg geben? Ich möchte dazu inspirieren, Hygiene neu zu denken und offen für Innovationen zu sein. Eine Duschtoilette ist mehr als nur ein technisches Gerät, sie ist ein Symbol für Komfort, Gesundheit und Lebensqualität. Mein Buch richtet sich auch an die vielen Fachkräfte, die jeden Tag durch ihre Arbeit dazu beitragen, Menschen mit Wasser, Wärme und Wohlbefinden zu versorgen. Dieses Bewusstsein möchte ich stärken und Mut machen, weiterhin mit Leidenschaft einen positiven Unterschied zu machen. Ich wollte mein Wissen und meine Begeisterung in ein Buch bringen, um das Thema Dusch-WC einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (Die Fragen stellt Heike Bering) Tim Baral ist Spezialist für Intimhygiene und Experte für moderne japanische Hygienetoiletten und Geschäftsführer des Sanitärhändlers Baral GmbH in Denzlingen. „Sauber macht glücklich“ von Tim Baral, erscheint im Gmeiner-Verlag, Meßkirch; 160 Seiten; 13,5 x 20,2 cm, Broschur, 16 Euro; ISBN 978-3-7801-5014-1 Eine Dose in Form von Spargel, eine Schüssel mit Kopfsalatherzen oder eine Terrine in Form eines Truthahns, auf den Tafeln des 18. Jahrhunderts imitierten unterschiedliche, pompöse Schaugerichte aus Keramik die Natur. Sie machten von außen sichtbar, was sich im Inneren befand. Täuschend echte Imitationen verschiedener Gerichte und Nahrungsmittel, vor allem aus Fayence, verblüfften und sorgten für angeregte Tischgespräche. Die Exponate der Ausstellung zeigen, was Gastgeberinnen und Gastgebern am Hof des 18. Jahrhunderts wichtig war: Sie wollten ihre Tischgäste beeindrucken! Dies gelang mit spektakulären Terrinen, die in Formen von Tieren gestaltet wurden. Die Terrine in Form eines Truthahns aus Straßburg (um 1745 bis 1754) fasziniert durch ihre Größe bis heute. Im Vergleich zur traditionellen Präsentation von Vogelpasteten, die mit echtem Gefieder dekoriert waren, boten Vogelterrinen aus Fayence eine kunstvolle und nachhaltigere Alternative für die Tischdekoration. Aber auch heute noch greifen Porzellan- und Keramikproduzenten das Stilmittel der Schaugerichte auf. So stellt die Ausstellung einen Eierbecher in Form einer Tulpe aus Fayence (Niderviller, um 1760 bis 70) einem Eierbecher aus der Serie „Ab ovo Black & White“ von Luigi Colani gegenüber. Beide Exponate stellen eine Tulpe dar, wobei Colani eine abstrakte, biomorphe Formensprache wählte. Schaugerichte wurden vorrangig aus Fayence hergestellt, umso seltener sind solche aus Porzellan. Ein Bund Spargel, das mit einem Band zusammengehalten ist, entpuppt sich beim Griff an der Schleife als Porzellandose (Berlin, um 1775). Die Öffnung verschwindet zwischen den einzelnen Stangen und verbleibt nahezu unsichtbar. Zu sehen ist die Ausstellung vom 29. März bis 26. Oktober 2025 im Porzellanikon Hohenberg, 95691 Hohenberg an der Eger, https://porzellanikon.org/ Keramik schmackhaft gemacht Keramik schmackhaft gemacht Ab dem 29. März 2025 beschäftigt sich eine neue Sonderausstellung im Porzellanikon Hohenberg a. d. Eger mit einem eher ungewöhnlichen Thema. Die interaktive Ausstellung zeigt etwa 50 so genannte Schaugerichte aus Porzellan und Fayence aus der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus Bamberg. Die Schau „Fake Food. Essen zwischen Schein und Sein“ lädt dazu ein, sich mit „Fake Food“ aus Keramik auseinanderzusetzen und damit, was wir täglich zu uns nehmen. Fayence, in Anlehnung an die italienische Keramikstadt Faenza benannt, besitzt einen poröseren, dunkleren Scherben als Porzellan sowie eine besondere Plastizität, weshalb das Material so beliebt war für die Herstellung von filigranen, detailreich ausgeformten Zier- und Dekorationsgegenständen. Im 18. Jahrhundert konnte sich die Straßburger Fayencemanufaktur der Familie Hannong mit ihren aufwendig hergestellten Fayencen einen Namen machen. Fein gearbeitete Schaugerichte fanden vor allem an den Höfen Frankreichs und Deutschlands zahlreiche Abnehmer. Bald ist wieder Spargelzeit. Im Porzellanikum gibt es das Gemüse dauerhaltbar, aber eher ungenießbar Der Eierbecher im typischen Colani-Design aus den 1980er Jahren Info Mehr Informationen und alle Adressen im Register ab Seite 44 ý ý
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