10 11 STEINKERAMIKSANITAER.DE II. Quartal 2025 STEINKERAMIKSANITAER.DE II. Quartal 2025 PraxisundProjekte FASSADEN PraxisundProjekte FASSADEN Im Osten der Stadt, zwischen Autobahn und Bahnstrecke, befindet sich im Industriegebiet Rotter Bruch der Mediencampus Aachen. Täglich werden hier Nachrichten produziert und hunderttausende Zeitungen gedruckt. Doch der Platz wurde in den vergangenen Jahren immer knapper. Längst hatte sich der Zeitungsverlag zu einem breit aufgestellten Medienhaus entwickelt. Um den geänderten Anforderungen gerecht zu werden, entschied sich die Aachener Verlagsgesellschaft für einen Umbau und zog als Planungsbüro die SSP AG hinzu. Das Team um Architekt Tilo Pfeiffer entwickelte verschiedene Varianten, die Bestandsgebäude zu restrukturieren und schlug zusätzlich einen Neubau vor. Danach entwickelten die Planerinnen und Planer Gestaltungsansätze für das zukünftige Bürogebäude mit 240 Arbeitsplätzen. Inspirieren ließ sich Pfeiffer für die Fassadengestaltung von der Historie des Standorts. Seit Fassade als Reminiszenz an die Druckhistorie Fassade als Reminiszenz an die Druckhistorie Markante Architektur im Gewerbegebiet: Der neu erbaute Aachener Mediencampus sticht aus seiner industriellen Umgebung heraus. Inspiriert von der Medien-Geschichte des Standorts, entwickelte das Planungsbüro SSP AG unter der Regie des leitenden Architekten Tilo Pfeiffer eine dynamische Fassadengestaltung mit langen Fensterbändern und einem hellen Farbton. Dabei wird die texturierte, lebendige Gebäudehülle maßgeblich durch den Farbton des Fassadenklinkers mitbestimmt. Ein besonderes Merkmal des Mediencampus ist der „Central Park“, ein hochwertiger Außenbereich, der den Neubau mit den bestehenden Druckereigebäuden verbindet und eine grüne Oase im Gewerbegebiet schafft. Jahrzehnten entsteht dort die Aachener Zeitung, das sollte sich auch in der Hülle des neuen Bürogebäudes widerspiegeln: Kilometerlange Papierbahnen, die in hoher Geschwindigkeit über die rotierenden Walzen der Druckmaschine laufen. Redakteurinnen und Redakteure, die Nachrichten „am laufenden Band“ produzieren. Diese Dynamik findet ihren Ausdruck in den langgezogenen Fensterbändern, die sich wie endlose Papierbahnen über die Fassade ziehen. Sogar so weit, dass sie über die Gebäudeecken hinaus reichen und aus bestimmten Perspektiven heraus tatsächlich endlos scheinen. Im Kleinen findet sich dieser Ansatz auch in der Materialität der Fassade wieder: Klinker an Klinker, im versetzten Läuferverband angeordnet, mit linearer Grundstruktur im schmalen Dünnformat von 240 x 115 x 5 2 mm. „Der zeitlose Werkstoff Klinker überzeugt in der Nah- und Fernwirkung. Aus der Ferne wirkt er ruhig und homogen, aus der Nähe wiederum sind Struktur und Textur erkennbar“, erklärt Pfeiffer. Für alle, die das Gebäude genauer betrachten, hält der hier ausgewählte Fassadenklinker eine Besonderheit bereit: beige brennender Ton mit weißer Patinierung, dazwischen rötliche Akzent-Klinker sowie Steine mit Kohlestaub-Anhaftungen. Aus der Entfernung ergeben diese Merkmale eine lebendige Fassadenoptik. „Klinker haben etwas handwerkliches, robustes, bodenständiges. Das passt nicht nur zum Zeitungswesen, sondern auch zum Unternehmen, der Aachener Verlagsgesellschaft“, erklärt Pfeiffer seine Wahl des Baustoffes. Für ein homogenes Erscheinungsbild wurden die verschiedenen Klinker alle aus einem Brand gefertigt. An der Fassade kamen Klinker mit klassischer Lochung zum Einsatz, am jeweils oberen und unteren Ende der Fassadenbänder jedoch Vollsteine. Damit soll Feuchtigkeitsproblemen vorgebeugt werden. Dass es ein heller Farbton werden sollte, stand laut Pfeiffer von Beginn an fest. Ein klassisches Rot entsprach nicht den Vorstellungen des Architektenteams, auch ein dunkler Farbton würde nicht die gewünschte Wirkung erzeugen. Der helle Ton jedoch steht bewusst in spannendem Kontrast zu den Fensterbändern, die je nach Perspektive und Lichtverhältnissen häufig dunkel wirken. Dieser Gegensatz verstärkt die moderne Ästhetik der Fassade und lässt das Gebäude aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder neu erscheinen. Zudem trägt der helle Farbton zur Aufhellung des Gesamtbildes bei, hebt die strukturellen Details und Feinheiten des Mauerwerks besonders hervor und bringt ein positives Rückstrahlverhalten (Albedo-Effekt) im Sinne des SSP-Nachhaltigkeitslabels „GreytoGreen“ mit sich. Der Klinker prägt das Erscheinungsbild des Medienhaus auch im Innenraum. Dort setzte Pfeiffer das Material im Foyer ein, dem ersten Kontaktpunkt für Mitarbeitende und Gäste. Der verklinkerte Empfangstresen transportiert die Fassadengestaltung konsistent ins Innere und verleiht dem Raum mit seinen Betonelementen spürbar Wärme. Angeordnet im stehenden Grenadier-Verband, harmonieren die Steine außerdem mit dem am Boden verlegten Stäbchenparkett. Es schließe sich mit der Klinker-Gestaltung außerdem ein Kreis, resümiert Pfeiffer: „Vor vielen Jahrzehnten befand sich auf dem Grundstück eine Ziegelei.“ Für die Produktion sei unter anderem auch der tonige Boden vor Ort genutzt worden, ebenfalls im hellen, cremefarbenen Farbton. Mit dem Fassadenklinker „Weimar HS“ im Dünnformat realisierte das Architekturbüro SSP AG eine zurückgenommene Gestaltung der Außenhaut. In der näheren Betrachtung offenbart der Baustoff eine vielfältige Struktur und Textur. Auch im Innenbereich setzte Architekt Tilo Pfeiffer die hellen Klinker ein. Im Foyer begrüßen sie Mitarbeitende und Gäste. Insbesondere im Kontrast zu den kühlen Betonelementen verleihen sie dem Raum Wärme und Behaglichkeit. Objekt: Mediencampus Aachen Standort: Dresdener Straße 3, 52068 Aachen Planungsbüro: SSP AG, Standort Aachen Bauherr: Aachener Verlagsgesellschaft Fassade: „Weimar HS“ Dünnformat 240x115x52 mm (Klinkerwerk Hagemeister) Druckhistorie als Leitmotiv für Fassadengestaltung Klinker haben etwas handwerkliches, robustes, bodenständiges. Architekt Tilo Pfeiffer, SSP AG Heller Farbton akzentuiert Feinheiten des Mauerwerks Info Fotos: © Jörg Hempel, I ý Mehr Informationen und Adressen im Register ab Seite 44
RkJQdWJsaXNoZXIy MTk2NTI0NQ==