20 21 STEINKERAMIKSANITAER.DE II. Quartal 2025 STEINKERAMIKSANITAER.DE II. Quartal 2025 DesignundTrends DesignundTrends ereits heute geht es im Projekt- und Luxusgeschäft kaum noch ohne Ausstattungen, die individuelle Wünschen gerecht werden. Personalisierte Produktlösungen wird das in Fachkreisen genannt. Da genügt ein Blick in die Bäder der Sterne gekrönten Hotelketten. Und es müssen auch keineswegs nur gekrönte Perlhuhn-Federn und Meeresmuscheln als Statement Perlhuhn-Federn und Meeresmuscheln als Statement Die Zukunft des Bauens dürfte, zumindest bezogen auf den Wohnungsbau, die Modulbauweise oder Vorfertigung sein, wovon aktuell leider mehr geredet als praktiziert wird. Und zum anderen wird die Individualisierung deutlich zunehmen. Das könnte durchaus auch den Rohbau betreffen, wenn der noch in den Kinderschuhen steckende 3D-Druck perfektioniert wird. Ein weites Feld der Individualisierung aber hält die Innenarchitektur bereit. Frau Schmitt, wieso haben Sie sich dazu entschieden, „Dornbracht Atelier“ als eigenes Geschäftsfeld zu positionieren? Caroline Schmitt: Dornbracht bietet schon seit 75 Jahren kundenspezifische Lösungen an. Aus dieser jahrzehntelangen Erfahrung ist eine unvergleichliche Expertise für individuelle Armaturen erwachsen. Mit dem neuen Geschäftsfeld bekommt diese Kompetenz als eigenständige Geschäftseinheit nun eine andere strategische Bedeutung neben den Feldern Bad, Spa und Küche. Mit der Neupositionierung reagieren wir gezielt auf den zunehmenden Bedarf an maßgeschneiderten Angeboten im Luxus- und Projektgeschäft. Wir wollen unsere führende Position in diesem Bereich weiter ausbauen. Wie kann man sich den Prozess von der ersten Idee bis hin zum maßgeschneiderten Produkt vorstellen? Caroline Schmitt: Am Anfang steht immer eine persönliche Vision: der gestalterische Wunsch, der über unser Standardsortiment hinausgeht. Oft haben wir es mit kleineren Anpassungen bestehender Produkte zu tun. Manchmal sind aber auch echte Unikate gefragt, die sich durch besondere Formen oder ungesehene Farben und Materialien auszeichnen. Die Ausarbeitung des Konzepts erfolgt im fortlaufenden Austausch mit dem Kunden. Christian Ennenbach: Gleichzeitig prüfen wir, welche Anforderungen mit einem Auftrag verbunden sind: Ist eine Idee technisch überhaupt umsetzbar? Wie realisieren wir die gewünschte Form? Welche Materialien brauchen wir? In einigen Fällen entsteht zunächst ein erster Prototyp, für den Entwicklung und Fertigung eng zusammenarbeiten. An ihm werden Details wie beispielsweise auch die Montagefähigkeit getestet. Wenn alle Parameter stimmen, erfolgt die finale Umsetzung in unserer Manufaktur in Iserlohn. Herr Ennenbach, was bedeutet es, Produkte ab Stückzahl eins zu fertigen? Welche Herausforderungen sind damit verbunden und worin liegt der besondere Reiz? Christian Ennenbach: Bei Einzelstücken haben wir den gleichen hohen Qualitätsanspruch wie bei unserem Standardsortiment. Möglich wird diese Vorgehensweise, weil unsere Produktion durch den hohen Anteil manueller Tätigkeiten so flexibel ist. 57 Prozent unserer Mitarbeitenden sind seit über zehn Jahren bei uns, 38 Prozent davon sogar seit mehr als zwei Jahrzehnten. Ab Stückzahl eins zu fertigen übt auf mich eine große Faszination aus: Hochtechnologie und detailreiche Handarbeit gehen hier eine außergewöhnliche Verbindung ein. Wie viel Handarbeit steckt in einem Produkt, das durch Dornbracht Atelier realisiert wird? Christian Ennenbach: Tatsächlich ist der manuelle Arbeitsaufwand in fast allen Fällen deutlich größer als der Teil, bei dem industrielle Verfahren zum Einsatz kommen. Da gibt es etwa das HammerschlagVerfahren, das sowohl für Griffe als auch den Auslauf und andere Elemente der Armatur zum Einsatz kommen kann. Es handelt sich um eine traditionelle Technik, bei der die Oberfläche so bearbeitet wird, dass sie eine charakteristische, unverkennbare Struktur erhält. Frau Schmitt, kann Dornbracht wirklich jede Anfrage realisieren? Caroline Schmitt: Möglich ist im Grunde alles, vorausgesetzt, es entspricht unserem eigenen Qualitätsanspruch. Deshalb prüfen wir jede Anfrage darauf, ob sie sich in unserer Manufaktur in Iserlohn realisieren lässt. Wenn eine Kundenvision spezielle Expertise erfordert, erweitern wir unser Team gezielt durch ausgewählte Partner aus unserem Netzwerk. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Kooperation mit Nature Squared: Das Unternehmen fertigt kunstvolle Inlays aus ungewöhnlichen, natürlichen Werkstoffen wie Eierschalen oder Meeresmuscheln. Für Dornbracht Atelier hat Nature Squared eine Oberfläche aus Perlhuhnfedern entwickelt. Christian Ennenbach: Wenn wir neue Formen schaffen, dienen unsere Designprinzipien, die wir zusammen mit Sieger Design entwickelt haben, als Orientierung. Sie lassen Raum für kreative Vielfalt und Individualität, gewährleisten aber gleichzeitig, dass jede maßgeschneiderte Lösung authentisch ist. Oft bleibt die ikonische Ästhetik unserer Produkte aber auch bestehen, und wir interpretieren sie neu, wie zum Beispiel bei einer individualisierten Variante unserer Tara sehen, mit einer Oberfläche, die in verschiedenen Farben irisierend schimmert. Was lernen Sie aus diesen besonderen Projekten und wohin könnte sich Dornbracht Atelier künftig entwickeln? Caroline Schmitt: Wir lernen vor allem, was unsere Kundinnen und Kunden wirklich bewegt. Und was es braucht, um ihren Vorstellungen zu gerecht zu werden. Unser Claim „Inspiring your vision“ ist dabei Antrieb und Anspruch zugleich. Es werden künftig neue, unerwartete Verbindungen entstehen: Unser neues Geschäftsfeld fördert den Dialog, es inspiriert uns zu Co-Creations, spornt uns an zu exklusiven Editionen oder innovativen digitalen Tools. Wir möchten Dornbracht Atelier international zum Synonym für „Tailored Luxury“ im Armaturendesign machen. Individualisierung in Reinform realisierte Armaturenhersteller Dornbrach in Form der Kooperation mit der in der Schweiz ansässige Designmarke „Nature Squared“, die in Handarbeit Armaturen-Oberflächen aus organischen Materialien und Nebenprodukten herstellt.Waren es anfangs Muscheln oder Eierschalen, wurde die Technik zuletzt mit Federn perfektioniert, wie bei dem Modell „Vaia“. „Häupter“ sein, die sich bei der Ausstattung ihre Villen, Yachten oder sonstigen Nobel-Etablissements mit Serienprodukten abfinden wollen. Das Manufaktur-Wesen hat inzwischen bei schon zahlreichen Markenhersteller der Sanitärhersteller durchaus respektable Umsatzzahlen generiert. So berichtet Armaturenhersteller Dornbracht von einem Umsatz im zweistelligen Millionenbereich mit personalisierten Lösungen allein im Jahr 2024, und das, wie Dornbracht-Vorständin Marketing und Vertrieb Caroline Schmitt erklärt, ohne jede aktive Vermarktung. Das dürfte Grund genug sein, das Manufaktur-Engagement des Iserlohner Herstellers unter dem Titel „Dornbracht Atelier“ als eigenes Geschäftsfeld zu etablieren. Obwohl die Iserlohner betonen, bereits seit vielen Jahren personalisierte Produktlösungen anzubieten, offensichtlich so richtig Fahrt aufgenommen hat das Verlangen, sich mit einzigartigen Produkten vom überaus reichlichen und mitunter ruinösen Wettbewerb der Sanitärbranche abzukoppeln, als man sich 2023 mit der in der Schweiz ansässigen Marke „Nature Squared“ verbündet hat, die luxuriöse Oberflächen aus organischen Materialien und Nebenprodukten herstellt. Anfangs wurde das Sortiment um exklusive Sonderanfertigungen der „MEM“-Griffe erweitert. Waren es zunächst zerbrochene Eierschalen oder Meeresmuscheln, die kunstvoll auf Armaturenkörper appliziert wurde, kamen bald weitere ausgefallene Oberflächen hinzu: Schachbrettmuster, Lederoberflächen oder Samt. Auch Perlhuhn-Federn können es sein. Sie werden einzeln per Hand auf der Armatur angebracht und anschließend mit einer Art Harz überzogen. Und was dem Markt und vor allem Design ambitioniert Häuslebauer besonders gefallen dürfte: Das Geschäftsfeld „Dornbracht Atelier“ hat sich von der Mindestmenge verabschiedet. So könnte auch im privaten Bad, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, eine Armatur zu finden sein, die weltweit einzigartig ist. Wie dies möglich ist und was sich Dornbracht mit seinem neuen Geschäftsfeld vorgenommen hat, erläutern die CEOs Caroline Schmitt und Christian Ennenbach im Interview. Bereits in den 1980er Jahren sorgte Dornbracht mit ausgefallenen und luxuriösen Armaturenmodellen für Aufsehen. Ein Beipiel ist der „Schwan“ namens „Prinzess Royal“. Im Internet taucht er noch gelegentlich als gebrauchte Armatur auf. Dornbracht selbst wollte auf ihn nicht ganz verzichten und tranferierte ihn ins 21. Jahrhundert.Auch er ist ein Entwurf von Sieger Design. B Wenn Handwerk zur Kunst wird Wenn Handwerk zur Kunst wird Die Dornbracht-CEOs Caroline Schmitt und Christian Ennenbach über Ideen für außergewöhnliche Einzelstücke und warum jedes Unikat Hingabe und Präzision verlangt. Mit der Neupositionierung reagieren wir gezielt auf den zunehmenden Bedarf an maßgeschneiderten Angeboten. Caroline Schmitt, CEO Dornbracht Bei Einzelstücken haben wir den gleichen hohen Qualitätsanspruch wie bei unserem Standardsortiment. Christian Ennenbach, CEO Dornbracht ý ý Mehr Informationen und Adressen im Register ab Seite 44
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