24 25 STEINKERAMIKSANITAER.DE II. Quartal 2025 STEINKERAMIKSANITAER.DE II. Quartal 2025 DesignundTrends DesignundTrends Baukastensystem für perfektes „Mix-and-Match“ Baukastensystem für perfektes „Mix-and-Match“ Architekt Hadi Teherani über ästhetische und materielle Qualität, keramischer Präzision und die Verbindung von Ästhetik und Funktionalität Die Baufachmesse BAU 2025 im Januar war für den Fliesenhersteller Agrob Buchtal nicht nur eine Messe wie die vielen Veranstaltungen zuvor. Immerhin war das Unternehmen seit vielen Jahren Anker-Aussteller im Sektor keramische Produkte. Denn nach überstandener Insolvenz und mit einem neuen Eigentümer, der Meta Wolf AG, war die Münchener Veranstaltung so etwas wie ein Neustart. Zwar hat sich am traditionellen Produkt-Portfolio wenig geändert, aber die Zeichen wiesen auf neue Ziele. Eines davon ist die Dekarbonisierung, eines der Hauptanliegen des neuen Eigentümers. „Road to net zero“, entsprechend dem Credo, das schon der neue Firmenname signalisiert: Agrob Buchtal Solar Ceramics GmbH. Ein Produkt Highlight sollte den Neustart markieren. Dazu sicherte man sich die Zusammenarbeit mit dem Design Büro des Architekten Hadi Teherani. Entstanden ist die Fliesenkollektion „Solid Ground“, was im Übrigen auch für den renommierten Hamburger Architekten etwas Besonders war. Warum erklärte er uns im Interview. Herr Teherani, was war Ihre zentrale gestalterische Vision bei der Entwicklung der Kollektion „Solid Ground“ für den Keramikhersteller Agrob Buchtal, und wie spiegelt sich diese in der Kombination aus Beton- und Travertin-Optik wider? Hadi Teherani: Die Idee hinter „Solid Ground“ war es, eine Kollektion zu schaffen, die Architekten maximale Gestaltungsfreiheit bietet und gleichzeitig eine hohe ästhetische und materielle Qualität verkörpert. Unsere Vision war ein Belagssystem, das geerdet ist – im wahrsten Sinne des Wortes: nah an natürlichen Materialien, strukturell durchdacht, funktional belastbar und emotional spürbar. Die Kombination aus Travertin- und Betonoptik erlaubt es, zwei scheinbar gegensätzliche Materialsprachen miteinander zu verbinden: der feinkörnige, poröse Charakter des Travertins trifft auf die ruhige, urbane Dichte des Betons. Beide Oberflächen wurden so aufeinander abgestimmt, dass sie nicht nur kombinierbar sind, sondern in ihrer Gegenüberstellung einen Dialog führen. Das verleiht Räumen eine stille Spannung, ohne aufdringlich zu wirken. Man weiß, dass Sie eine Vorliebe für „ehrliche“ Baustoffe haben, wozu ja insbesondere der Naturstein gehört. In dieser Kollektion ist der Kalkstein „Travertin“ allerdings nur optisch präsent. Eher ein Zugeständnis an den Markt als eigene Überzeugung? Nein, das war kein Zugeständnis, sondern eine bewusste gestalterische Entscheidung. In meiner Arbeit geht es nicht um das Dogma des Materials, sondern um dessen Ausdruck, Wirkung und Kontext. Die Travertin-Optik in „Solid Ground“ ist keine Imitation, sondern eine Neuinterpretation. Das Ziel war, das Authentische nicht zu kopieren, sondern es keramisch zu übersetzen. Echter Travertin hat Poren und offene Strukturen, die bei Boden- und Wandbelägen funktional oft problematisch sind. In unserer Kollektion wurden diese Charakteristika gestalterisch aufgegriffen, jedoch mit keramischer Präzision bearbeitet – etwa indem die porösen Partien wie mit Beton aufgefüllt erscheinen. Das ist für mich kein Verlust von Ehrlichkeit, sondern eine gestalterisch durchdachte Transformation. Wie stehen Sie grundsätzlich zu SteinImitaten? Ist eine Keramikoberfläche, die man als solche erkennen kann, nicht „ehrlicher“? Für mich geht es nicht darum, ob eine Oberfläche eine exakte Imitation ist oder offen als keramisches Produkt erkennbar bleibt. Viel wichtiger ist, dass das Material gestalterisch ehrlich und funktional überzeugend ist. Keramik hat eigene Eigenschaften und Grenzen, die wir respektieren. Bei „Solid Ground“ ist die Optik von Travertin und Beton keine bloße Nachahmung, sondern eine sorgfältige keramische Umsetzung, die das natürliche Material in seiner Wirkung würdigt. Natürlich sind Haptik und Lichtreflexe nicht identisch mit dem Original, aber die Kollektion schafft eine authentische Anmutung, die das Material keramisch nachvollziehbar macht, ohne sich zu verstellen. Die Kollektion bietet ein fein abgestimmtes Farbkonzept. Wie wichtig war Ihnen die emotionale Wirkung dieser Farbtöne auf den Raum? Die Farbpalette von „Solid Ground“ ist bewusst zurückhaltend und zugleich emotional ausgewogen gestaltet. Sie umfasst erdverbundene Töne – von neutralen Grautönen über warme Beigetöne bis hin zu grünen und roten Erdtönen – die mit ihrer natürlichen Anmutung eine ruhige, authentische Atmosphäre schaffen. Mir war es wichtig, dass diese Farben Räume subtil prägen, ohne laut zu wirken, und gleichzeitig vielfältige Kombinationsmöglichkeiten bieten. Die Farben tragen dazu bei, ein harmonisches Zusammenspiel mit der umgebenden Architektur und Natur zu ermöglichen. So entsteht ein natürlicher Rhythmus, der den Raum spürbar ver- © Roger Mandt, Berlin Die Idee hinter „Solid Ground“ war, eine Kollektion zu schaffen, die Architekten maximale Gestaltungsfreiheit bietet. Hadi Teherani, Architekt ankert und ihm zugleich Lebendigkeit verleiht – auch durch die dynamische Wirkung von Licht und Schatten auf den fein strukturierten Oberflächen Was war Ihre Inspiration zu dieser sehr Architektur affinen Kollektion und die Festlegung auf diese Palette zurückhaltender Farben, bei der Sie nur eine Ausnahme zuließen: ein mattes Rot? Und warum dieses Rot? „Solid Ground“ ist stark von der Architektur und den Materialien geprägt, die Räume nachhaltig gestalten. Die Inspiration kommt aus dem Zusammenspiel von Naturstein und Beton – Materialien, die sowohl zeitlos als auch zeitgemäß sind und architektonische Klarheit schaffen. Die zurückhaltenden, erdigen Farbtöne sind bewusst gewählt, um eine warme und einladende Atmosphäre zu schaffen, die sich harmonisch in verschiedenste Raumkonzepte einfügt und zugleich eine zeitlose Schönheit besitzt. Das matte Rot bildet die bewusste Ausnahme, ein lebendiges Element, das Akzente setzen kann, ohne die Harmonie zu stören. Dieses Rot symbolisiert Wärme und Energie und bietet Gestaltern eine kreative Nuance, die Räume belebt und individuelle Akzente ermöglicht. Gleichzeitig passt es zum Naturstein-Thema der Kollektion, denn es gibt einen ganz bekannten roten persischen Travertin. Die Serie „Solid Ground“ basiert auf einer Idee der Kombinatorik von einer großen Vielfalt an Formaten und Oberflächen. Ist die Planung und gegebenenfalls auch das Handwerk damit nicht überfordert? War das Thema Gestaltungshilfe auch Teil Ihrer Entwicklung? Welche Unterstützung gibt es für die Planung, um wirklich alle kreativen Facetten dieser Kollektion auch im Planungs-Alltag auszuschöpfen? Denn erfahrungsgemäß kann da gestalterisch sehr viel schief gehen. Die Vielfalt an Formaten und Oberflächen bei „Solid Ground“ eröffnet eine enorme gestalterische Freiheit, kann aber in der Tat eine Herausforderung für Planung und Handwerk darstellen. Deshalb war es uns ein großes Anliegen, den Planungsprozess bestmöglich zu unterstützen. Agrob Buchtal bietet dazu digitale Tools und Muster, die helfen, die unterschiedlichen Größen, Farben und Oberflächen im Vorfeld zu kombinieren und auf ihre Projekte abzustimmen. Die modulare Bauweise und das „Mix-and-Match“-Prinzip sind bewusst so konzipiert, dass sich eine Vielzahl von Varianten harmonisch zusammenfügen lässt, das minimiert Fehler und sorgt für ein stimmiges Gesamtbild. Neben den gezeigten Mustern und Verlegevarianten präsentieren wir gern kontinuierlich weitere Inspirationen, denn selbst innerhalb der Kollektion sehen wir den größtmöglichen Spielraum für kreative Umsetzungen und mussten uns im Gestaltungsprozess immer etwas zurückhalten. Zudem steht das Team des Herstellers beratend zur Seite, um Gestaltungsfehler zu vermeiden und die kreative Freiheit optimal auszuschöpfen. Die Kollektion ist also nicht nur ein Produkt, sondern ein bis ins Detail durchdachtes Baukastensystem, das Architektur und Praxis gleichermaßen unterstützt. Im Rahmen dieser Kollektion spielen Formate eine große Rolle. Dabei ist der Begriff „groß“ durchaus wörtlich zu nehmen. Sie gelten oft als Königsdisziplin der Hersteller. In diesem Fall ist das Format 120x120 cm das Maximum. Eine fast 1,50 m² große Fliese taugt aber wohl weniger zum Gestalten und gerät schnell in die Vergleichbarkeit mit anderen Materialien. In wie weit sind so große Formate für Sie als Architekt unverzichtbar? Große Formate eröffnen spannende Möglichkeiten, besonders wenn es darum geht, Flächen großzügig und ruhig zu gestalten. Das 120x120 cm Format bei „Solid Ground“ ist für mich ideal, weil es einerseits die flächige Wirkung unterstützt, andererseits noch handhabbar bleibt. Es schafft eine klare Fläche ohne zu sehr zu dominieren. Links: Durch eine intelligente Kombinierbarkeit der einzelnen Elemente entstand ein Baukastensystem, das zu einem perfekten und stets harmonischen „Mix und Match“ führt ohne eigene Vorstellungen einzuschränken. Eingebunden werden dabei alle Elemente, die die Stimmung des Raum beeinflussen.Von den Formaten bis zu den Farben hat Hadi Teherani nichts dem Zufall überlassen (rechts). ý Fotos. © agrobbuchtal.de / Fotograf: Jochen Stüber Fein abgestufte Grautöne gliedern und zonieren verschiedene Nutzungsbereiche. Die Travertin-Treppenstufe in 145 cm Länge bietet Freiraum für eine komplexe Gestaltung.
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