TechnikundSysteme TechnikundSysteme 28 29 STEINKERAMIKSANITAER.DE II. Quartal 2025 STEINKERAMIKSANITAER.DE II. Quartal 2025 Nicht weit entfernt wurde jetzt ein weiteres Wohnhaus „gedruckt“, diesmal ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten. Verantwortlich für die Planung war Lothar Steinhoff von Steinhoff Architekten im münsterländischen Nordhausen. Baubeginn war im Herbst 2023, im Dezember 2024 bezogen die Mieter ihre Wohnungen. So besonders wie die Bautechnik war auch die Finanzierung. Denn es handelt sich um Deutschlands erstes öffentlich geförderte Mehrfamilienhaus im Mietwohnungsbau, das im 3D-Betondruck erstellt wurde. Die Wohnungsbaugenossenschaft Lünen eG (WBG Lünen) als Bauherr erprobte damit erstmals dieses innovative Bauverfahren. Gleichzeitig sollte attraktiver wie preiswerten Wohnraum geschaffen werden, in dem auch Nachhaltigkeitsaspekte eine zentrale Rolle spielen. Schon die Lage des Hauses im Herzen von Lünen in der Nähe des Erholungsgebietes Lippeauen ist ein Pluspunkt. Worum es aber im Kern geht, erläutert Jan Hische, Vorstand der WBG Lünen: „Wir wollten praktische Erfahrung mit dem Bauverfahren 3D-Betondruck sammeln, um zu sehen, ob es sich auch im öffentlich geförderten Wohnungsbau einsetzen lässt“. Immerhin steht schon laut Satzung der Genossenschaft die Schaffung preisgünstigen Wohnraums im Fokus. Vor diesem Hintergrund verbanden sich das experimentelle Bauen mit Nachhaltigkeitsaspekten wie Rückbaufähigkeit des Gebäudes und seiner Energieversorgung mit einem zeitgemäßen Wohnkomfort in einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Zur Freude von Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen. So wurde das Bauprojekt der WBG Lünen zum einen Den Rohbau eines dreigeschossigen Wohnhauses in nur 118 Stunden erstellen, das ist eine Vision, die auch von einer Entspannung des Wohnungsbaus träumen lässt. Der 3D-Druck soll es möglich machen. Noch gelten Gebäude, die in einem 3D-Betondruckverfahren errichtet werden, als Exoten, zumal die technischen Anforderungen an den „Drucker“ beträchtlich sind. In Deutschland machte im Jahr 2020 ein Wohnhaus in Beckum den Anfang (SKS berichtete in Ausgabe 42021). mit 400 000 Euro aus der landeseigenen Förderung „Innovation in der Bauwirtschaft” unterstützt. Zum anderen stellte das Ministerium aus dem Programm der öffentlichen Wohnraumförderung rund 1,3 Millionen Euro bereit. Entsprechend der Wohnraumförderbestimmungen konnte so ein Quadratmeter-Preis für die Miete erreicht werden, der bei maximal 6 Euro pro Quadratmeter liegt. Der dreistöckige Bau entstand auf einem 651 m² großen Grundstück im innenstadtnahen Stadtteil Lünen-Geist. Er umfasst sechs Wohneinheiten zwischen 61 und 81 Quadratmetern Größe. Alle Wohnungen sind barrierefrei. Die Gründung, die Sohle und die Betondecken wurden in konventioneller Bauweise erstellt, das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss in 118 Stunden reiner Druckzeit. Das Dachgeschoss entstand in einer Holz-Hybrid-Bauweise, die im Hinblick auf den Werkstoff und die Rückbaufähigkeit in das Nachhaltigkeitskonzept des Gebäudes passt. Für das Nachhaltigkeitskonzept fiel vor allem ins Gewicht, dass die gedruckten Strukturen sowie weitere Werkstoffe zurückgebaut werden können. Auch habe die verwendete Betonmischung laut Hersteller Heidelberg Materials schon in der Herstellung im Vergleich zum konventionellen Beton eine günstigere CO2-Bilanz. Eine Photovoltaikanlage mit Stromspeicher und die Beheizung über Fernwärme legen auch das Energiekonzept des Gebäudes nachhaltig aus. Ungewohnt ist zweifellos der optische Eindruck mit den sichtbaren Druckschichten. Doch Bauherr WBG Lünen wollte bewusst das neuartige Bauverfahren im äußeren Erscheinungsbild der Architektur, also der Fassade und auch im Treppenhaus, sichtbar lassen, das sich daraus ergibt, dass der Beton durch eine Düse in nur wenigen Zentimeter dicken Schichten aufgetragen wird. Die Innenräume dagegen wurden klassisch verputzt, um den Wohnungen eine vertraute Atmosphäre zu verleihen. Das kam auch der Innenarchitektur zu Gute, die in technischer Hinsicht so erfolgen konnte, wie es im konventionellen Wohnungsbau üblich ist. Die traditionell verputzten Innenwänden sorgte dafür, dass auch die Montage der Sanitäreinrichtungen in technischer Hinsicht so erfolgen konnte, wie es im konventionellen Wohnungsbau üblich ist. Wie Stefan Uhlenbrock, Bauleiter der WBG Lünen, erläutert, waren Anpassungen in der Arbeitsweise hauptsächlich im Bereich des Rohbaus erforderlich. Hier mussten neue Verfahrensweisen insbesondere bei der Fenster- und Rollladenmontage sowie bei den Putzarbeiten entwickelt werden. Das Konzept der Nachhaltigkeit reicht bis in Bäder. Hier entschied sich die WGB für eine ganzheitliche Ausstattungslösung, die stilistisch sowie in Bezug auf Produkttechnologie und funktionale Eigenschaften eine Brücke zwischen dem experimentellen Kontext und den wirtschaftlichen Anforderungen im genossenschaftlichen Mietwohnungsbau schlägt. So wurden alle Bäder mit Badewanne und Dusche einheitlich ausgestattet, gemäß dem so genannten „Singular-Ansatzes“ des Sanitärherstellers Ideal Standard. Dem Nachhaltigkeitsanspruch des Hauses passte da insbesondere die Badserie „Alu+“ ins Konzept. Die Elemente der Serie werden aus wiederverwertbarem Aluminium hergestellt, das selbst zu 84 Prozent aus recyceltem Material besteht. Zudem sind sie komplett chrom- und nickelfrei und verfügen außerdem über eine wassersparende Technologie, die in die gesamte Serie integriert ist. Die besondere „Machart“ des Wohnhauses sollte nicht verborgen werden, deshalb blieb die Struktur der Druckschichten sichtbar. Die Fassade des Dachgeschosses zeigt das gewohnte konventionelle Aussehen. Man könnte es HybridBauweise nennen, da konventionelle und neue Technik kombiniert wurden Architektonisches Gestaltungsbild mit innovativem Anklang In den Wohnung ist von der 3D-Technik nichts zu sehen, so dass sich künftige Mieter wie üblich einrichten können. Auch die Installations-Arbeiten in den Badezimmern konnten wie gewohnt nach den üblichen Regeln der Technik durchgeführt werden. Bauherr: WBG Lünen Architekt: Lothar Steinhoff / Steinhoff Architekten Ausführung 3D-Baudruck: PERI 3D Construction Bauunternehmen: Gebrüder Lorenz Bauunternehmung Baustoff: Heidelberg Materials Deutschland 3D-Drucktechnologie: COBOD International Info Fotos: WBG Länen / Ideal Standard ý Nachhaltiges Design trifft experimentelles Bauen Nachhaltiges Design trifft experimentelles Bauen Mehr Informationen und Adressen im Register ab Seite 44
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