03. 02. 2026

Die 1959 von Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, eröffnete Bonner Beethovenhalle gilt als ein markantes Beispiel für die Bonner Nachkriegsarchitektur. In den letzten Jahren wurde das denkmalgeschützte Gebäude umfassend saniert. Zu den aufwändigen Sanierungsarbeiten zählte auch die Restaurierung der rund 400 m² großen Glasmosaik-Fassade an der Rheinseite.

Die Beethovenhalle ist nicht nur ein bedeutendes Konzerthaus mit bewegter Geschichte, sie ist ein Stück Bonner Identität, ein wesentlicher Grund, weshalb die Stadt Bonn keine Kosten und Mühe gescheut hat, sie zu erhalten. Ihre Sanierung reiht sich nicht nur in die Listen deutscher Langzeitbaustellen ein, sondern findet auch ihren Platz im Kosten-Ranking: Zehn Jahre lang wurde sie saniert, Zeit genug für eine Kostensteigerung von ursprünglich kalkulierten 60 auf rund 221,6 Mio. Euro.

Bereits 1845 wurde anlässlich des 75. Geburtstags von Ludwig van Beethoven die erste Beethovenhalle errichtet, ein Festsaal, der bald zum kulturellen Mittelpunkt der Stadt wurde. Nach ihrem Abriss entstand 1870 ein zweiter Bau, der allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die heutige Beethovenhalle wurde 1959 nach Plänen des Architekten Siegfried Wolske eröffnet und gilt als Beispiel der Nachkriegsmoderne. Sie ist seitdem Heimat des Beethovenfests sowie des Beethoven Orchesters Bonn und steht als Denkmal für Bonns lange Musiktradition.

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Blau-meliert: Detailansicht der Mosaikwand.

Auch in städtebaulicher Hinsicht dokumentiert die Beethovenhalle in besonderer Weise die Neubebauung auf dem Gelände der ehemaligen Bastionärsbefestigung Bonns des 17. Jahrhunderts und der Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts. In exponierter Lage, auf dem erhöhten Rheinufer gelegen, gehört sie zur unverwechselbaren Stadtsilhouette Bonns. In der Zeit, als Bonn Bundeshauptstadt war, stellte sie einen Ort dar, an dem zahlreiche repräsentative und historische Veranstaltungen der Bundesrepublik Deutschland stattfanden. Von besonderer Bedeutung war die Beethovenhalle in der Zeit von 1974 bis 1989 als Ort der Bundesversammlung. Walter Scheel, Karl Carstens und Richard von Weizsäcker wurden hier zu Bundespräsidenten gewählt. Im Herbst 2016 schloss man das in die Jahre gekommene Gebäude und nahm in den Folgejahren umfassende, denkmalgerechte Sanierungs- und Renovierungsarbeiten in Angriff. Seit 2025 ist die Halle wieder einsatzbereit und hat im September 2025 den regulären Spielbetrieb offiziell wieder aufgenommen.

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      Auch in Teilen des Innenbereichs gibt es die blaumelierten Flächen

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      Da das Glasmosaik frostfest ist, profitierte auch die Gartengestaltung

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      Das Mosaik ist ein Blickfang an der Rheinfassade des Restaurants.

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      Die Zusammensetzung der Farbnuancen blieb dem Zufall überlassen

Spezielles Sanierungskonzept für die denkmalgeschützte Rheinfassade

Seit dem Jahr 1990 steht die Beethovenhalle unter Denkmalschutz. Für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes sprechen, so die Begründung der Denkmaleigenschaft, „(bau)künstlerische, wissenschaftliche, insbesondere architekturgeschichtliche und städtebauliche Gründe“. Die Denkmaleigenschaft umfasst das komplette Gebäude der Beethovenhalle einschließlich des Restauranttraktes mit Terrasse und Treppenaufgängen sowie die gesamten Außenanlagen. Dazu zählen auch die blauen Mosaikfassaden, die einen ganz zentralen Blickfang an der Rheinfassade des Restaurants bilden und das Ensemble in diesem Bereich nachhaltig prägen. Somit war klar, dass das restauratorische Vorgehen auch an den Mosaikfassaden den Grundsätzen der Denkmalpflege folgen musste. Was bedeutet: Maximaler Erhalt von Originalsubstanz, Material- und Farbtreue sowie enge Abstimmung mit den Denkmalbehörden und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die das Objekt seit Jahren begleitet.

Das Sanierungskonzept für die Mosaikbeläge erforderte eine langfristige Planung und sorgfältige Dokumentation

Unter diesen Rahmenbedingungen entstand ein ganz spezielles Sanierungskonzept für die Mosaikbeläge, was neben einer langfristigen Planung und einer sorgfältigen Dokumentation insbesondere einen extrem hohen (manuellen) Aufwand erforderte. Und natürlich ein Fachunternehmen, welches über das hierzu erforderliche Know-how verfügte. Aus diesem Grund entschied man sich, für die zur Mosaiksanierung notwendigen Arbeiten die Firma „Mosaik Bau & Handel Carlo Jorias ehemaliges Mosaik Kontor“ zu beauftragen. Das im südhessischen Bensheim an der Bergstraße ansässige Familienunternehmen gilt als besonders kompetent auf dem Gebiet der künstlerischen Gestaltung und handwerklich perfekten Verlegung von Mosaikbelägen. So hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Gebäuden wie dem Marmorsaal im Weißenburgpark in Stuttgart oder dem Glückert-Haus auf der Mathildenhöhe in Darmstadt erfolgreich Mosaikrestaurierungen durchgeführt. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist insbesondere ein umfangreiches Lager an Farben und Formaten unterschiedlichster Mosaiken, denn nur so ist man in Bensheim in der Lage, die für das jeweilige Objekt benötigten Steine in der notwendigen Menge zu liefern.

Die blaue Mosaikfassade wurde mit viel Handarbeit „Stein für Stein“ instandgesetzt

Ziel der Restaurierungsmaßnamen war es, ein möglichst originales Erscheinungsbild der Mosaikfassaden zu erhalten. Das in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz erarbeitetet Sanierungskonzept für die Mosaikbeläge an der Bonner Beethovenhalle sah vor, zunächst die vorhandenen Beläge zu sichern und vor Ort mittels Trennsägeverfahren von den Wänden zu nehmen, um es anschließend nach Bensheim zu transportieren. Nach einer ersten Begutachtung der einzelnen Mosaiksteine wurden alle noch verwendbaren Steine in einem Säurebad von den Mörtelresten gereinigt und von Hand neu sortiert. Jeder der knapp eine Million Steine musste dabei hierfür mehrmals in die Hand genommen werden.
Wo die vorhandenen Steine aufgrund zu starker Beschädigungen nicht mehr verwendbar waren, wurden sie durch das noch im Lager der Firma Jorias vorhandene italienische Originalmosaik aus den 1960er-Jahren ersetzt. Für das neue Mosaik wurden die alten und „neuen“ Steine dann zu insgesamt 4 100 „Blättern“ mit jeweils 225 Steinen zusammengesetzt und auf der Vorderseite mit einem Trägerpapier verklebt.
Vor Ort in Bonn galt es zunächst, die Verlegeuntergründe vorzubereiten. Dazu wurde der Betonuntergrund mit Hilfe des schnell erhärtenden, faserverstärkten Ausgleichsmörtels egalisiert. Da es sich hier um ständig der Witterung ausgesetzte Außenwände handelt, wurden die zuvor noch die grundierten Untergründe mit einer Abdichtung aus einer Riss überbrückenden, faserverstärkten flexiblen Dichtschlämme auf Zement-Kunstharzbasis versehen.
Die Verlegung der restaurierten, auf das Trägerpapier geklebten Mosaikbeläge erfolgte mit einem standfesten und verformbaren Flexverlegemörtel, welcher sich insbesondere für die Verlegung von Glasmosaik eignet. Nach der Verklebung wurde das Trägerpapier durchnässt und abgezogen. Abschließend wurden die Beläge mit einem kunststoffvergüteten und schnell erhärtenden Fugenmörtel verfugt, womit eine gleichmäßig geschlossene, reinigungsfreundliche Oberfläche mit niedriger Wasseraufnahme und einem einheitlichen Farbbild erreicht wurde.
So erstrahlt die Bonner Mosaikfassade jetzt wieder in neuem Glanz und entfaltet mit ihrem wechselvollen Spiel von Höhen und Tiefen sowie ihren verschiedenen Blautönen Denkmal gerecht ihre ganz spezielle Farbwirkung und ist zugleich ein liebevoll restauriertes Detail, das dem Gesamtbild des Gebäudes sowohl ästhetisch als auch historisch zusätzlich Wert verleiht.

InfoBox

Die Sanierung der Beethovenhalle war kein einfaches Projekt. Mehrmals geriet es ins Stocken und stand bereits nach Protesten wegen der Kostenexplosion vor dem Aus. Im Sommer 2022 übernahm Steffen Göbel, Geschäftsführer dbp dasbauprojekt GmbH, die Projektleitung zur Fertigstellung der sanierten Beethovenhalle. Er stand in dem Ruf, stockende Bauprojekte der öffentlichen Hand wieder in die Spur zu bringen, bis Ende 2024 sollte er mit seinem Team die Beethovenhalle fertigstellen. Geplant war ursprünglich das Jahr 2020.
In der Halle steckt viel künstlerisches und historisches Erbe: Hier fanden bedeutende politische Ereignisse statt wie Reden von Theodor Heuss, Willy Brandt, Besuche von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. 1958 wurde sie als multifunktionales Gebäude fertiggestellt, unter anderem als Zuhause für das Beethoven-Orchester ebenso wie für Karnevalsfeiern oder Konfirmationen.

Der Architekt Siegfried Wolske, der 1954 den Wettbewerb der Stadt für die dritte Beethovenhalle gewann, war Schüler von Hans Scharoun und setzte auf Leichtigkeit und Transparenz: große Glasflächen, die innen und außen miteinander verbinden und eine mutige Farbgebung aus Blau, Gelb und einem verrückten Türkis bei der Studiowand im Süd Foyer.

Objektdaten:

Beethovenhalle, Bonn; Größe: 400 m²; Bauherr: Stadt Bonn; Ausführendes Unternehmen: Mosaik Bau & Handel Carlo Jorias ehemaliges Mosaik Kontor, Zeitpunkt der Ausführung: 2017 bis 2025, Verlegeprodukte: Planitop Fast 330, Mapelastic A+B, Primer RA, Adesilex P9 Weiß, Isolastic, Ultracolor Plus (alle Mapei GmbH)
Fotos: ChrisChristes I photography, Mosaik Bau & Handel Carlo Jorias