Frankfurter Drachenzeit als Design-Event
Alle zwei Jahre verleiht die World Design Organization den Titel „World Design Capital“ an eine Stadt oder Region. Mit dem Thema „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ hatte sich die Metropol Region Frankfurt RheinMain mit Erfolg um diesen Titel „World Design Capital 2026“ (WDC) beworben. Die Bewerbung basierte auf einer Initiative der Werkbundakademie Darmstadt in den Jahren 2014 bis 2020. Für diese Bewerbungsphase von 2021 bis 2023 wurde die Design FRM gGmbH gegründet, welche das Projekt nun federführend realisiert. Gemeinsam mit der Region, die über 460 Städte und Gemeinden mit 5,8 Millionen Einwohnern umfasst, sollen ein Jahr lang Projekte und zahlreiche Veranstaltungen realisiert werden, die zeigen, was Design für die Gesellschaft und die Demokratie, für unser Zusammenleben und unseren Alltag leisten kann.
Gefeiert werden soll das Design-Event mit einer Reihe von Veranstaltungen, wobei bis zum Start Anfang Mai allerdings bislang wenig Konkretes in der Öffentlichkeit erkennbar war, wie unter anderem auch die örtliche Presse bemängelte. Mit dem Datum 30. April 2026 sollte sich das ändern, denn da wurde im Garten des spanischen Kulturinstituts Instituto Cervantes in der Staufenstraße ein bemerkenswerter Pavillon als spanischer Beitrag zum WDC eröffnet. Initiiert wurde er vom spanischen Außenhandelsinstituts ICEX gemeinsam mit dem Kulturinstitut. Dass damit nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, die Designkultur der veranstaltenden Region gefeiert wird, sondern die spanische Designkultur, sollte verziehen werden, denn dafür ist die Architektur des Pavillons zu spektakulär.
Wer schon einmal in Barcelona war, erkennt sofort die Verbindung: Es ist eine Referenz an den Park Güell, dessen Eingang der Schöpfer des Parks, Antonio Gaudi, mit einem mit farbigen Kacheln besetzten Drachen versah. Bunt, schillernd und fantasievoll erinnert jetzt in Frankfurt der Pavillon „Drac.Gaudí“ (Drac = katalanisch für Drache), an den 100. Todestages des spanischen Architekten am 10. Juni 2026. Schöpfer der begehbaren Skulptur ist der valencianische Architekt José Ramon Tramoyeres und der ebenfalls aus Valencia stammende Baumeister Manolo Garcia, der seinen Entwurf umsetzte. Letztere wurde bekannt als Künstler für die berühmten Figuren für das spanische Volksfest „Fallas“.
Gestaltet wurde der Pavillon aus gewissermaßen virtuos gebogenen Hölzern nach den Prinzipien des „New European Bauhaus“ Schönheit, Nachhaltigkeit und Inklusion und unter anderem mit etwa 1 275 vielfarbigen spanischen Fliesen spanischer Hersteller verziert, die wie die Schuppen eines Drachens angeordnet sind. Einige wurden mit dem Frankfurter Stadtwappen verziert, dem Adler, eigens für diesen ersten Ausstellungsort vom Büro des Architekten entworfen. Was allerdings dem Architekten Kopfzerbrechen bereitet, denn im Anschluss an den Frankfurter Auftritt wird der Pavillon nach Mailand und Madrid transportiert, wo das Frankfurter Stadtwappen weniger gefragt sein dürfte. Gebaut wurde er übrigens in Valencia und in 17 Teilen nach Deutschland transportiert. Denn das ist eine weitere Besonderheit: Entworfen wurde er von Tramoyeres in Sinne der Nachhaltigkeit und ist deshalb einfach auf- und abbaubar, wetterfest und transportabel ohne Spuren zu hinterlassen.
Bis zum 30. Oktober kann der „Drac“ im Garten des Instituto Cervantes in der Frankfurter Staufenstraße 1 während der Öffnungszeiten des Kulturinstituts besucht werden, der Eintritt ist frei. Informationen über Besuchszeiten unter 069/71 37 49 70 kann man nachfragen. Geplant sind verschiedene Veranstaltungen wie Konzerte oder Tagungen und Vorträge.
Das Instituto Cervantes wurde 1991 als offizielle und gemeinnützige Einrichtung von der spanischen Regierung gegründet. Ihr Ziel ist die Förderung der Lehre des Spanischen und der anderen in Spanien gültigen Amtssprachen sowie die Mitwirkung an der Verbreitung der Kultur der spanischsprachigen Länder weltweit. Das Instituto Cervantes ist mit 87 Zentren in 44 Ländern vertreten.
Fotos: José Ramon Tramoyeres & Manolo García
„World Design Capital“ waren unter anderem San Diego(USA, 2024), Valencia (Spanien, 2022), Lille (Frankreich, 2020) oder Turi (Italien, 2008).
Mehr Informationen:
https://www.spanishdesignpavilion.com/drac-gaudi-und-der-urbane-resonanzraum,
https://cultura.cervantes.es/frankfurt/de/el-instituto-cervantes-en-la-world-design-capital-frankfurt-rhein-main-2026/188576
