Imageschub für deutsche Fliesenleger

2.9.2019
Ob der 21jährige Fliesenleger Janis Gentner aus Aalen in Baden-Württemberg wirklich als Synonym für die Qualifikation des deutschen Fliesenleger-Gewerbes steht, darüber dürfte sicherlich die Fachszene heftig diskutieren. Ebenso wenig wie eine Goldmedaille in einem Sportwettkampf die deutsche Bevölkerung pauschal zu einem Volk von Leistungssportlern macht, taugt die Goldmedaille, die von Janis Gentner als Lohn für seinen ehrgeizigen Einsatz bei der Weltmeisterschaft der Berufe, den 45. WorldSkills im russischen Kasan zu einem Lorbeerkranz für die gesamte Gilde der Fliesenleger. Allerdings hat er eines erreicht, wozu in jahrelangem Bemühen baugewerbliche Verbands-Prominenz nur unzureichend im Stande war. Er hat dem Berufsstand der Fliesenleger Glanz und Aufmerksamkeit verschafft. Einziger Wermutstropfen: Eine handwerkliche Höchstleistung hat längst nicht den „Mit-zieh-Effekt“ wie eine sportliche Siegesserie. Wir erinnern uns, als vor Zeiten Steffi Graf und Boris Becker mit ihren Tenniserfolgen einen wahren Tennis-Boom in Deutschland auslösten.
Sehr wünschenswert wäre es konsequenterweise, wenn die Funktionäre aller einschlägigen Berufsorganisationen vom Handwerk bis zur Industrie wenigstens zeitweise von ihrem übereifrigen Begehren nach der Meisterpflicht im Fliesengewerbe ablassen und diese vergoldete Leistung auf hohem Niveau vermarkten würden. Vielleicht kommt dieses Ansinnen ja inzwischen zu spät und Janis Gentner wurde bereits zum Botschafter des Gewerbes der Fliesenleger ernannt. So wie zum Beispiel Franziska van Almsick erfolgreiche Badbotschafterin für die Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft ist. Übrigens in der Marketing-Landschaft ein beliebtes Instrument.
Janis Gentner hat zweifelsfrei das Zeug dazu. Der sympathische junge Fliesenleger-Geselle (Zitat: „Ich bin aus Überzeugung Fliesenleger geworden!“) holte im Skill „Floor and Wall Tiling“ die Goldmedaille und ist Weltmeister der Fliesenleger. Gentner wurde darüber hinaus als bester deutscher Teilnehmer mit der Medaille "Best of Nation" ausgezeichnet. Teilen musste er sich die oberste Stufe des Treppchens lediglich mit dem Schweizer Renato Leo der ebenfalls Gold erzielte, und das obwohl Gentner einen Punkt mehr errungen hatte.

Gentner hatte in dem viertägigen Wettbewerb zunächst zwei Wände zu fliesen, auf denen die russische Flagge gleichsam als Welle sowie der Name Kasan in roten und blauen Buchstaben zu sehen waren. Darüber hinaus musste eine Vormauerung mit Podest und Gefällestrich (ähnlich einer bodengleichen Dusche) hergestellt werden. Dabei mussten die Teilnehmer sehr präzise arbeiten, damit das Fliesenbild passt. Als weitere Herausforderung enthielt die Vormauerung eine kleine Nische, die mit Mosaik ausgelegt wurde. Sehr saubere Schnitte für ein exaktes Fugenbild waren hier die Grundvoraussetzung. Die Ebenheit in der Ausführung, die Einhaltung von Flucht und Senkel, aber auch der Winkel waren weitere wichtige Bewertungskriterien.
Bereits 2017 hatte Janis Gentner seine Gesellenprüfung abgelegt und war zunächst Kammersieger, dann Landessieger und am Ende Deutscher Meister der Fliesenleger geworden. 2018 war er Ersatzteilnehmer für die EuroSkills. Schlussendlich hatte der sich Anfang dieses Jahres in einem Ausscheidungswettbewerb für die WorldSkills 2019 qualifiziert. 1 354 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus über 63 Nationen und Regionen hatten vom 22. bis 27. August 2019 in Kasan bei der WM der Berufe in 56 verschiedenen Wettbewerbskategorien um Medaillen gekämpft.

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