22. 05. 2026

Private Bauvorhaben Verlierer des Jahres

Im Bundesbauministerium hat man es sich inzwischen abgewöhnt, Wunschzahlen für gebaute Wohnungen im Jahresverlauf zu publizieren. Erfahrung macht klug, denn welche Regierung auch immer sich mit solchen Zahlen aus dem Fenster gelehnt hat: Erreicht wurden sie zumindest in der jüngeren Vergangenheit nie. Deshalb dürfte auch niemand enttäuscht über die jetzt veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Es gab nur zwei Kennzahlen: Es besteht Wohnungsmangel und es wird zu wenig gebaut.

Klar ist: 206 600 im Jahr 2025 gebaute Wohnungen bedeuten keine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt, eher eine Verschärfung. In ihrer Abschlussbilanz haben die Statistiker 45 400 oder 18 Prozent weniger Wohnungen als im Vorjahr gezählt. Was zu Beginn der schwarz-roten Koalition vollmundig als „Bau-Turbo“ pronunziert wurde, entpuppte sich letztlich als lauer Wind und endete auf der langen Liste der unerfüllten Regierungsversprechen.

Fakt ist, dass die Zahl fertiggestellter Wohnungen im zweiten Jahr in Folge deutlich (2024: ‑14,4 Prozent zum Vorjahr), nachdem sie in den Jahren 2021 bis 2023 jeweils bei rund 294 000 gelegen hatte. Zuvor sei die Zahl neuer Wohnungen von ihrem Tiefststand von 159 000 im Jahr 2009 auf den Höchststand von 306 400 im Jahr 2020 gestiegen. Niedriger als im Jahr 2025 sei die Zahl neuer Wohnungen zuletzt im Jahr 2012 (200 500), so die Wiesbadener Statistiker. In den Ergebnissen sind sowohl Wohnungen in neuen Wohn- und Nichtwohngebäuden als auch neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten.

Rückgänge bei allen Wohngebäudearten

Wenig überraschend dürfte angesichts der allgemeinen Konjunkturellen Lage die Tatsache sein, dass insbesondere private Bauvorhaben auf der Verlierer-Strasse endeten. So entfielen nach Bauherrengruppen betrachtet von den im Jahr 2025 fertiggestellten Neubauwohnungen 89 500 auf gewerbliche Bauherren (‑17,8 Prozent zum Vorjahr) und 72 300 oder ‑23,7 Prozent auf private Bauvorhaben.
Auch die so genannten neuen Bundesländer gehörten 2025 zu den Verlierern im Wohnungsbau. So sei die Zahl der fertiggestellten Neubauwohnungen in Wohngebäuden im Jahr 2025 im Osten mit einem Minus von 34,3 Prozent prozentual mehr als doppelt so stark zurückgegangen als im Westen (‑16,7 Prozent). Besonders betroffen waren im Osten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (‑38,3 Prozent gegenüber ‑13,9 Prozent in den westlichen Bundesländern).
Zu denken dürften den Verantwortlichen im Bundesbauministerium die 35 700 erloschenen Baugenehmigungen geben, das sei der höchste Wert seit 2002 und ein Anstieg um rund ein Viertel gegenüber 2024 und um etwa die Hälfte gegenüber den Jahren 2022 und 2023, (2024: 29 000; 2023: 22 700; 2022: 22 800). Dabei rechnen die Wiesbadener Statistiker noch mit einer hohen Dunkelziffer, nämlich der im Bauüberhang enthaltenen Bauvorhaben, deren Genehmigung zwar noch nicht erloschen sind, die aber nicht mehr weiterverfolgt würden. Hierüber gäbe es aber keine Informationen.

Probleme mit erloschenen Baugenehmigungen

Die schleppende Entwicklung des Wohnungsbaus ist wenig überraschend, da nach Feststellung der Statistiker die durchschnittliche Abwicklungsdauer von Neubauwohnungen in Wohngebäuden, also die Zeit von der Genehmigungserteilung bis zur Fertigstellung, sich bei den im Jahr 2025 fertiggestellten Wohngebäuden auf 27 Monate verlängert hat. Im Jahr 2024 hatte der Bau einer Wohnung noch durchschnittlich 26 Monate gedauert, im Jahr 2020 lediglich 20 Monate. Noch scheint die Lockerung von Bauvorschriften und beschleunigten Verfahren einen Platz auf der Liste nicht gehaltener Versprechen zu haben.

Auch die Bauaktivität bei Nichtwohngebäuden wie zum Beispiel Fabrikgebäude und Lagerhallen, Büro- und Verwaltungsgebäude oder landwirtschaftliche Betriebsgebäude ist im Jahr 2025 erneut zurückgegangen. Bei den im Jahr 2025 fertiggestellten Nichtwohngebäuden verringerte sich der umbaute Raum gegenüber dem Jahr 2024 um 3,8 Prozent auf 170,9 Millionen Kubikmeter. Besonders stark war der Rückgang bei den Büro- und Verwaltungsgebäuden mit ‑19,5 Prozent.


Statistisches Bundesamt: Größere Wohnungen in Deutschland

Das Hemmnis bei den Wohnungsfertigstellungen spiegelt sich auch in der Bilanz der Statistiker bezüglich des Wohnungsbestandes wider. So zählten sie zum Jahresende 2025 in Deutschland rund 44 Millionen Wohnungen. Das waren nur 0,4 Prozent bzw. 196 000 Wohnungen mehr als Ende 2024. Im Zehnjahresvergleich zum Jahresende 2015 sieht die Bilanz etwas günstiger aus. Demnach erhöhte sich der Wohnungsbestand in diesem Zeitraum um 6 Prozent. Deutlicher gewachsen ist indes die Gesamtwohnfläche. Sie vergrößerte sich in diesem Zeitraum um 8,9 Prozent auf 4,1 Milliarden Quadratmeter.
Von den zum Jahresende 2025 gezählten 44 Millionen Wohnungen befanden sich rund 43,1 Millionen oder 98 Prozent in Wohngebäuden, mehr als die Hälfte davon (54,9 Prozent bzw. 23,6 Millionen Wohnungen) in Mehrfamilienhäusern. Im Durchschnitt hätte damit jedes der deutschlandweit 3,5 Millionen Mehrfamilienhäuser aus 6,7 Wohnungen bestanden. Die 13,5 Millionen Einfamilienhäuser machten knapp ein Drittel (31,3 Prozent) der Wohnungen in Wohngebäuden aus. 5,5 Millionen Wohnungen (12,8 Prozent) wurden in den insgesamt 2,8 Millionen Zweifamilienhäusern gezählt, weitere 0,4 Millionen (1 Prozent) in Wohnheimen (zum Beispiel für Studierende, Geflüchtete oder Wohnungslose).
Zudem scheint die deutsche Bevölkerung mehr Platz zum Wohnen zu benötigen, nämlich 8,9 Prozent mehr als 2015. Die Wohnungen in Deutschland wurden somit im Durchschnitt größer: Zum Jahresende 2025 betrug die durchschnittliche Wohnfläche je Wohnung 94 Quadratmeter, die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf lag bei 49,5 Quadratmetern. Damit haben sich die Wohnfläche je Wohnung seit dem Jahr 2015 um 2,4 Quadratmeter (+2,6 Prozent) und die Wohnfläche je Einwohnerin und Einwohner um 3,3 Quadratmeter (+7,1 Prozent) erhöht.