Vorbereitungen zur Meisterfeier

9.10.2019
Es ist vollbracht: 15 Jahre hartes Ringen und 10 000 Unterschriften unter einer Online-Petition später kann das Fliesenleger-Gewerbe (und 11 weitere Handwerksberufe) endlich aufatmen. Das Kabinett stimmte auf seiner Sitzung am 9. Oktober 2019 dem Gesetzentwurf von Wirtschaftsminister Peter Altmaier zu, der vorsieht, dass für 12 Handwerksberufe der Meisterbrief zur Unternehmensgründung wieder ein Muss ist. Das entsprechende Gesetzt soll Anfang 2020 in Kraft treten.
Der Argumentation der Bundesregierung, mit der Abschaffung der Meisterpflicht unter anderem mehr Anreize zur Selbstständigkeit zu schaffen, stand das Wehklagen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) und in diesem Fall speziell der Lobby des Fliesenhandwerks gegenüber, auf diese Weise Wildwuchs in der Handwerksszene herauf zu beschwören und das Qualitätsniveau der Arbeiten zu senken. Außerdem verweist das Handwerk darauf, dass mehr Meisterbetriebe wieder verstärkt den Nachwuchs fördern würden, ein nicht nur im Fliesenleger-Gewerbe eklatantes Problem. Auch das gehörte jetzt zu Altmeiers „Schritt zurück Agenda“.
Aber genau das wird von Skeptikern in Frage gestellt. Der Rückgang der Zahl der Auszubildenden sei zum einen hausgemacht, weil es das Handwerk versäumt habe, handwerkliche Berufe für junge Leute attraktiv zu machen. Gravierenden aber habe sich die demografische Entwicklung ausgewirkt und die Tatsache, dass Abitur und Studium nach wie vor für den Nachwuchs sehr viel attraktiver sind. Wie sonst würden auch Berufe mit Meisterzwang, wie zum Beispiel Installateure, Probleme mit der Rekrutierung von Auszubildenden haben.
Während das Handwerk also feiert, stellen andere die nicht unberechtigte Frage, ob die Rückkehr zu Meisterpflicht, die dem „Handwerk einen sachgerechten Ordnungsrahmen gibt und es zukunftsfest macht“ (so Peter Altmeier), die aktuellen Probleme auf deutschen Baustellen lösen kann. Immerhin ist es bereits heute für viele Bauwillige immens schwierig, wegen des Fachkräftemangels einen Handwerker (ob mit oder ohne Meistertitel) zu finden. Das könnte jetzt noch schwieriger werden, weil Firmengründungen erschwert werden und laut aktueller Zahlen die einschlägigen Meisterschulen alles andere als überlaufen sind. Woher also die für Firmenneugründungen notwendigen Meister nehmen? Ein Vorteil allerdings gibt es zur Beruhigung: Für bestehende Betriebe gilt Bestandsschutz, sie müssen auch nachträglich keinen Meister einstellen.
Allerdings gilt auch das für die betroffenen Gewerke: Das Kampfbesteck sollte nicht zu weit weg gelegt werden, denn Altmeiers Gesetzentwurf sieht vor, nach fünf Jahren die neue Regelung zu überprüfen.
Ebenfalls „Meister-Pflichtig“ sollen künftig auch diese Berufe sein: Estrichleger, Behälter- & Apparatebauer, Parkettleger, Betonstein- und Terrazzobauer, Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker, Raumausstatter, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Glasveredler, Drechsler, Böttcher, Orgel- und Harmoniumbauer.

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