Negativ-Orden für Plagiate

12.2.2019
Manche lernen es nie. Besonders in China hat es noch nicht herum gesprochen, dass sich seit 1977 einmal jährlich in Frankfurt anlässlich der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ eine ausgewählte Jury trifft, um mit spitzen Finger auf Produkte zu zeigen, die es eigentlich nicht geben dürfte. So auch am 8. Februar, als der Schmäh-Preis „Plagiarius“ zum 43. Mal vergeben wurde. Das Ziel ist immer gleich geblieben: Die plumpen und skrupellosen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Industrie, Politik und Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Gleichzeitig hebt der Verein die Wichtigkeit und Wirksamkeit von gewerblichen Schutzrechten hervor.

Zwar betont der Trägerverein, die Aktion Plagiarius e.V., dass die „Auszeichnung“ sagt nichts darüber aussagt, ob ein nachgemachtes Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Dafür sind letztlich die betroffenen Hersteller gefordert. Der Verein will aber auf Unrecht aufmerksam machen und Nachahmungen, die dem Originalprodukt absichtlich zum Verwechseln ähnlich sehen und die keinerlei kreative oder konstruktive Eigenleistung aufweisen, in den Fokus zu rücken.
Unter den Betroffenen sind auch immer Markenhersteller der Sanitärindustrie, wie in diesem Jahr die Hansgrohe SE, die bereits 2017 schon einmal Zielscheibe der Produktpiraten wurde. In diesem Jahr strafte die Jury die Cixi City Changhe Yihao Sanitary Factory, Zhejiang VR China, ab, die die Handbrause „Croma Select S Multi“ aus dem Schwarzwald täuschend echt kopiert und in Umlauf gebracht haben. Zu allem Überfluss fanden die Juroren zusätzlich auch noch eine Fälschung eben dieses Produkts.
In Schiltach, der Heimat der Hansgrohe SE, kennt man die Probleme mit Plagiaten. „Es sind immer die im Markt besonders erfolgreichen Marken und Produkte, die kopiert werden“, so Carmen Vetter, Leiterin Schutzrechte bei Hansgrohe. Wobei sie besonders darüber erbost ist, dass einer der beiden „ausgezeichneten“ Plagiatoren nicht nur das Produkt kopiert hat, sondern auch den Markennamen in chinesischer Sprache benutzt.

Den Schaden hat meist nicht nur der Hersteller des Originals auf Grund von Umsatzeinbußen, sondern auch der Käufer, weil er Sicherheitsrisiken in Kauf nehmen muss. Denn gleiches Aussehen bedeutet keineswegs zwangsläufig die gleiche Qualität, Leistungsfähigkeit und vor allem Sicherheit. Das jetzt in die Öffentlichkeit gerückte Plagiat sei für das Schwarzwälder Unternehmen keineswegs ein Einzelfall. Carmen Vetter schätzt den Schaden, der dem Unternehmen jährlich durch Plagiate entsteht, auf fünf bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes. Grund genug aktiv gegen den Ideenklau vorzugehen und dabei auch juristische Mittel einzusetzen.
Dass die 43 Jahre Plagiarius-Verleihung aber nicht ganz erfolglos waren, fasste der diesjährige Laudator, Prof. Dr. Arndt Sinn, Direktor des Zentrums für Europäische und Internationale Strafrechtsstudien an der Universität Osnabrück, mit den Worten zusammen, dass „bereits zahlreiche Nachahmer aus Angst vor der Prämierung mit dem „Plagiarius“ eine Einigung mit dem Originalhersteller gesucht und Restbestände der Plagiate vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder Lieferanten preisgegeben haben“. Fotos: Aktion Plagiarius e.V.

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